Privilegien meines Lebens

Sonntags morgens von seinem Gewissen besucht zu werden hat etwas unheimliches. Aber ich komme nicht umhin, angesichts dieses Anblicks

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Und während dieses Genusses

Sonntag morgen

festzustellen, dass, wer auch immer dafür verantwortlich zeichnet, es unendlich gut mit mir meint.
Ich habe zu dieser Situation nur geringfügigen Beitrag geleistet, der sich darauf beschränkt diese spezielle Stadt und dieses spezielle Café aufgesucht zu haben. Doch auch jede andere Konstellation wäre an diesem Morgen ähnlich perfekt gewesen. Den ursprünglichsten Einfluss haben dann wohl meine Eltern, denn ohne deren DNS-Vermischung wäre dieser Morgen ja für mich nicht erlebbar geworden. Ebenso wie natürlich mein ganzes restliches Leben. Ich hätte aber auch keinen anderen Eltern geboren werden können (das ich den meinen geboren bin grenzt ja schon nahezu an ein Wunder angesichts der abermillionen Kombinationsmöglichkeiten und potientieller Zeitpunkte). Und aussuchen konnten sie mich auch nicht. Da sie also auch, wenn doch auch nicht so überraschend, zu mir kamen, wie die Jungfrau zum Kinde, kann der Dank für meine Anwesenheit hier sich wohl nur auf das Verschaffen einer Chance zu Entstehung erstrecken (abgesehen von all den unzähligen Punkten die zu meiner Entwicklung und Persönlichkeitsbildung beigetragen haben und die, auch wenn es das Ergebnis nicht immer vermuten lässt, meiner oben geschilderten Situation in Schönheit und Perfektion in nichts nachstehen, aber das soll hier nicht weiter Thema sein sondern ggf in einem späteren Beitrag erläutert werden).
Meine Gedanken sind bereits so weit, um festzustellen, sowas kann man nicht verdienen. Keine meiner bisherige Lebenstaten erlaubt es mir meinen Platz hierdurch gerechtfertigt zu sehen. Verglichen mit denen anderer Menschen (insbesondere solcher in eben deutlich unterprivilegierteren Situationen), stände ich deutlich weiter unten in der, als Vegetarier sei mir diese Metapher gestattet, Nahrungskette der Menschheit (ob selbst oben abgebildete Nahrungsmittel in einem solchen Vergleich noch unter mir stehen würden, scheint fraglich, da sie ja immerhin einen definierten Zweck besitzen, den sie auch umfassend zu erfüllen wussten und mir in diesem bereits einiges voraus haben).

Es bleibt mir daher nur, da ein Verantwortlicher außer einem viel zitierten, aber doch nie in Erscheinung getretenen und damit sich ziemlich unglaubwürdig machenden (Vorgesetzte aller Welt nehmt euch ein Beispiel) Gottes, auszumachen ist, doch das, mindestens ebenso häufig herangezogene, aber durch, im Vergleich zu vorher genanntem, vornehme Zurückhaltung in Sachen guter Ratschläge und Vorschriften übt, Schicksal anzurufen und mich für mein eben selbiges zu bedanken.
Und diese Gedanken versuche ich auch dann noch aufrecht zu erhalten, wenn ich im überfüllten ICE ohne Klimaanlage auf dem Boden sitze. denn hallo, immerhin ist das Bord-Restaurant in Betrieb.