Merkwürdig

Die deutsche Sprache wartet mit den seltsamsten oder soll ich sagen merkwürdigsten Wortkonstruktionen auf. Nicht nur kann man im Deutschen so schöne Worte wie: “Trockensteigleitungseinspeisevorrichtung” kreieren (mein Studium lässt sich nicht verleugnen, aber das soll man ja auch nicht, schon wegen des Hahnenkrähens), es können durch die Kombiantion verschiedener Wörter auch ganz andere entstehen (auch wenn uns die englischsprachigen Länder mit Ihrem Autohaustier da in nichts nachstehen).

Meine liebstes dieser Konstrukte ist, wie oben schon geschrieben, das Wort merkwürdig. Und das nicht nur, weil ich eine nachträgliche positive Charakteristik einem mir durch Außenstehende so häufig (und nicht im nachfolgenden Sinne) zugeschriebenen Eigenschaftswort (auch Wie-Wort) unterjubeln will (das wäre ja auch eine lustige Dopplung: Einem Eigenschaftswort eine Eigenschaft zuzuordnen/Wie ist das Wie-Wort?), sondern weil es aus zwei Teilen besteht, die getrennt (aber dennoch gemeinsam) betrachtet, so umfänglich seelenschmeichlerisch sind, dass auch das Fehlen eines Leerzeichen (und einiger Buchstaben) die Wirkung nicht mildern können.

“Des Merkens würdig sein”. Wer möchte das nicht? Ist das nicht das schönste was passieren kann? Etwas oder jemand ist es wert, dass hierfür Platz in den ja meist chronisch überfüllten und mit allerlei unnützem Wissen (welches es ja sogar bereits in kompakt und leicht zu konsumierender Bücherform gibt um die vorhandenen Platzreserven vollends zuzustopfen) überfrachteten biochemischen Festplatten gemacht wird.

Es soll ja sogar Personen geben, die für merkwürdige Ereignisse/Personen den Aufbau des Sonnensystems aus ihrem Kopf verbannen, da die Relevanz des einen in etwa so überwiegt wie die Lieferung sachdienlicher Hinweise zur Verhinderung des Weltuntergangs zur Beobachtung eines tanzenden Teddybärs im Garten.

Spätestens wenn es soweit ist, kann man die Bezeichnung merkwürdig nicht mehr anders als als Kompliment auffassen, sich freuen wie ein Honigkuchenpferd und der Welt mit einem entrückten und etwas absonderlichen (über diese Wortkonstruktion lasse ich mich ein anderes Mal aus) Grinsen entgegengehen. Das Schöne an dieser Art der Zurschaustellung der eigenen Weltzufriedenheit ist das immer weiter fortsetzende „sich einnisten“ in andere Köpfe.

Advertisements